Was ist los mit General Electric?

Wie tief kann General Electric noch fallen? Nach dem schwachen Ergebnis und der Dividendenkürzung ist der Aktienkurs von GE weiter gefallen. Dafür gibt es mehrere Gründe, weshalb der Kurs in den nächsten Tagen, Wochen oder gar Monate volatil bleiben und der Kurs eventuell noch weiter fallen könnte. Langfristig gesehen, könnte der Aktienkurs von General Electric aber erheblich steigen, sollte das Management alles richtig machen!

General-Electric Turbinen

GE ist ein großer Mischkonzern. Im Jahr 1890 gründete Edison die Edison General Electric Company. 2017 hat GE einen Umsatz von 120 Mrd. USD vorzuweisen. Die Geschäftsbereiche bei GE sind: Luftfahrt (Bau und Wartung von Flugzeugtriebwerken), Energie (Bau und Wartung von Kraftwerken) sowie Healthcare (Herstellung und Wartung von medizintechnischen Produkten).

Im September 2018 hatte ich General Electric für 12,40 USD (10,70 EUR) erworben. Derzeit liegt der Aktienkurs bei 9,43 USD (8,24 EUR). Für General Electric läuft es bereits seit 2017 nicht wirklich gut, der Aktienkurs rutschte in dem Jahr von 31 USD auf 18 USD ab und in diesem Jahr ging es noch ein Stück weiter runter. Was sind nun die Gründe für den extremen Kursrückgang?

Darum ist der Kurs gefallen

Es liegt an dem Ertragsproblem (die Energiesparte erwirtschaftet immer weniger Gewinn) und der fehlenden Substanz (die Überschuldung nimmt zu). Das Hauptproblem ist einfach die schwache Umsatz-Generierung (operativer Cash-Flow). Aus diesem Grund wurde auch schon die erste Dividendenkürzung und nun die zweite Dividendenkürzung vorgenommen. GE hat es nicht geschafft genügend operativen Cash aufzubauen um damit die Investitionsausgaben, den Schuldenabbau und die Dividenden zu bezahlen. Außerdem wurde das Management dauernd ausgetauscht und auch neuerdings die Probleme mit der Rechnungslegung haben dazu geführt, dass der Kurs weiter sinkt.

Was waren die größten Probleme aus dem Jahr 2017:

  • GE ist ein großer Konglomerat mit sehr vielen unterschiedlichen Bereichen. In der Energiesparte ging der operative Gewinn um 50 Prozent innerhalb eines Jahres zurück. Die Nachfrage für Gaskraftwerken ging zurück. Und das Öl- und Gasgeschäft litt unter dem niedrigen Ölpreis im Jahr 2017. Die Einnahmen des Industriesektors ging daher um 17 Prozent zurück.
  • In der Finanzsparte wurde auch ein enormer Verlust hingenommen. Diese Sparte wird aber bereits seit 2009 zurückgefahren.
  • Durch die US-Steuerreform sind über 3 Mrd. USD zusätzlicher Belastung entstanden.

Wie sehen die Probleme im Jahr 2018 aus:

  • Die Nachfrage nach Gaskraftwerken ging noch weiter zurück. Es wurde deshalb noch schlimmer als im letzten Jahr. Durch Schließung der Werke wird erstmal viel Geld benötigt, wird aber in der Zukunft mit weniger laufenden Kosten belohnt.
  • Austausch des CEO bei GE. Lawrence Culp übernimmt nun die Fäden als Manager. Erste Amtshandlung: Es wurden 22 Mrd. USD Goodwill abgeschrieben (daher der große Verlust im dritten Quartal). Die Verschuldung bleibt gleich (es wurde kein Geld durch die Goodwill-Abschreibung abgeflossen).
  • Kürzung der Dividende auf 0,01 USD pro Quartal (vorher noch 0,12 USD). Somit verbleiben dem Konzern über vier Mrd. USD und diese können erstmal sinnvoller eingesetzt werden. Sobald die Umstrukturierung durch ist, wird die Dividende auf das branchenübliche Niveau angehoben.

Wie gehts mit dem Kurs von GE weiter?

Wird er weiter fallen oder bleibt er stabil und wann kann dieser wieder steigen …

Was könnte dazu führen, dass der Aktienkurs noch weiter sinkt:

  • Steuerverluste könnten geltend gemacht werden: Aktionäre die bereits seit Jahren investiert sind, können zum Jahresende ihre Wertpapiere mit Verlust verkaufen um anschließend diesen Verlust geltend zu machen. Dadurch würde der Aktienkurs noch weiter sinken (Angebot- und Nachfragesituation zum Nachteil von GE).
  • Eine Untersuchung von General Electric zu den Rechnungslegung-Praktiken wird derzeit geprüft (es geht um 22 Mrd. über ein Kraftwerk und 6 Mrd. über ein Versicherungsausfall).

Was könnte dazu führen, dass der Aktienkurs stabil bleibt:

  • Keine negativen Nachrichten würden für GE wie gute Nachrichten sein. Die meisten Aktionäre, die raus wollten sind vermutlich schon aus GE ausgetreten. Somit könnten keine negativen Nachrichten eventuell für Kurssteigerungen sorgen.
  • General Electric ist Anfang Oktober um 10 Prozent gestiegen – nur indem GE einen neuen CEO bekannt gegeben hat.
  • Sollten die Ermittlungen wegen der Rechnungslegung eingestellt werden, könnte der Kurs sogar wieder stiegen. Es genügen kleine gute Nachrichten um dem Kurs nach oben zu schieben.

Lichtblick bei General Electric

Seit 1993 war der Mischkonzern GE mit kleinen Unterbrechungen für 12 Jahre das wertvollste Unternehmen der USA (In die größten Unternehmen an der Börse investieren). 2016 war General Electric unter den „Top Ten“ der am höchsten bewerteten Konzerne der Welt.

Was bietet General Electric:

  • General Electric ist nach Umsatz und Marktkapitalisierung eines der größten Industrieunternehmen der Welt.
  • Derzeit liegt der Börsenwert bei ca. 100 Mrd. USD. Die Healthcare- sowie die Aviation-Sparte sind aber mittlerweile mindestens 150 Mrd. wert (GE Aviation ist der bedeutendste Hersteller von Flugzeug-Triebwerken und GE Healthcare umfasst die gesundheitlichen Dienstleistungen von General Electric).
  • Aufspaltung in vier neue und kleinere Unternehmen: General Electric (Flugzeugtriebwerke, Windturbinen sowie Gaskraftwerke), GE Healthcare (Herstellung und Wartung von medizintechnischen Produkten), Wabtec (Transportation-Sparte) und Baker Hughes (Oil und Gas-Sparte).
  • In 2-4 Jahren eine branchenübliche Dividende.

Die Momentaufnahme und die Zukunft von GE:

GE hat in ihrer Branche (General Electric, Siemens, 3 M, Danaher und Honeywell) eindeutig die niedrigsten Margen zu verzeichnen. Das erklärt den fehlenden Gewinn. Der neue CEO (Lawrence Culp leitete viele Jahre erfolgreich Danaher), wird die Kosten in den kommenden Jahren drastisch reduzieren müssen. Die stärkere Fokussierung auf die Reduzierung der Kosten und Ausgaben ist für die Margen und insbesondere für ein höheren Nettogewinn ausschlaggebend. Bereits für Frühjahr 2019 wurde der Verkauf vom Leuchten-Tochter Current an American Industrial Partners angekündigt.

Umsatz und Chart von General Electric (Quelle: Aktienfinder.net und Google.de)
Umsatz und Chart von General Electric (Quelle: Aktienfinder.net und Google.de)

Die Analysten vermelden folgende Prognose für die Jahre 2018 bis 2020: Ein Gewinn pro Aktie von 0,74 USD für das laufende Geschäftsjahr, 0,87 USD für 2019 und 1,04 USD für 2020. Darüber hinaus vermelden sie ein Wachstum von 5,5 Prozent beim Gewinn je Aktie.

Sollten die Prognosen zutreffen, könnte GE 2025 einen Gewinn pro Aktie in Höhe von 1,36 USD verzeichnen. Dieses Ergebnis würde GE zu einem Kursziel von 20 USD führen. Das wären über 100 Prozent, oder ca. 11 Prozent pro Jahr in den nächsten sieben Jahren. Zudem ist der langfristige Ausblick (über mehrere Jahrzehnte) für alle Segmente positiv (Aufspaltung in die neuen Unternehmen) gestimmt.

Quelle: BP
  • Die Luftfahrt Sparte wird von steigenden Flugreisen profitieren. Boeing und Airbus benötigen immer mehr Flugzeugtriebwerke. Denn die Welt ist immer mehr miteinander vernetzt und der Wohlstand in den Schwellenländer lassen die Zahl der Passagiere erhöhen. Boeing hat zudem eine Prognose: Die Fluggesellschaften werden in den nächsten 20 Jahren Milliarden von Dollars für neue Flugzeuge ausgeben. Da immer mehr Flugzeuge benötigt werden und ältere ersetzt werden müssen.
  • Energie Sparte: Der Windenergie Sektor sieht ebenfalls sehr positiv aus. Denn die erneuerbare Energien werden immer wichtiger. Da die Windenergie eine der kostengünstigste Art ist um Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, wird das für GE ein Wachstumstreiber werden. Aber auch Erdgas und Atomkraft wird in den nächsten Jahren enorm wachsen. Der Erdgasverbrauch sowie die Atomstromproduktion wird in den Schwellenländer enorm ansteigen. Dies wird dazu führen, dass viel mehr Erdgaskraftwerke und Kernkraftwerke benötigt werden – was wiederum General Electric zugute kommen wird.

Fazit

Abschließend kann man nun festhalten, dass die Unsicherheiten bei der Herabstufung von Krediten, die Steuerverluste sowie die Untersuchungen in der nächsten Monate zur weiteren Kursrückgängen führen kann. Zudem ist die Stimmung um GE auch nicht wirklich gut. Langfristig gesehen aber, sind die angekündigten Kostensenkungen um die Margen zu erhöhen, sowie der Ausblick für die Märkte sehr vielversprechend und positiv.

Faustregel: vor jedem Kauf sich mindestens eine Stunde mit dem Unternehmen beschäftigen! 😉

An der Börse muß man nicht alles wissen, nur alles verstehen. Und auch wenn man alles versteht, muß man nicht alles mitmachen. (André Kostolany)

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